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Leadership 4.0

Warum wir von Natur aus kooperieren

By 2. Oktober 2016 April 5th, 2018 No Comments

Heute möchte ich das Thema mit aus meiner Sicht bahnbrechenden Erkenntnissen aus der Neurobiologie beleuchten. Dabei beziehe ich mich auf das Buch von Joachim Bauer „Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren“.

Der Mensch: Für gelingende Beziehungen konstruiert

Die wissenschaftlich belegte Kernaussage von Joachim Bauer lautet: „Kern aller menschlichen Motivation ist es, zwischenmenschliche Anerkennung, Wertschätzung, Zuwendung und Zuneigung zu finden und zu geben. Wir sind aus neurobiologischer Sicht auf soziale Resonanz und Kooperation angelegte Wesen.“

Die Aussage kommt lapidar und fast wie eine Selbstverständlichkeit daher. Schauen wir jedoch in den Alltag der Unternehmen, so sehen wir, dass viele Menschen unter starkem Druck arbeiten und mit einer hohen Veränderungsgeschwindigkeit konfrontiert sind. Daraus resultieren häufig um- und neustrukturierte Teams. Unter diesen Rahmenbedingungen fällt es vielen Führungskräften schwer, wertschätzende und lebendige Beziehungen im Team zu gestalten.
Welche Belege hat die Neurobiologie für die oben genannte Aussage? Und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für eine motivierende Mitarbeiterführung?

Entdeckung der Motivationssysteme

Die Neurobiologie hat entdeckt, dass wir über ein biologisches Motivationssystem verfügen. Dieses Motivationssystem basiert auf den drei Botenstoffen Dopamin, endogene Opioide und Oxytozin. Was hat es nun mit diesen Stoffen auf sich, und wie wirken sie?
Joachim Bauer beschreibt, dass der Kern des Motivationssystems seinen Sitz im Mittelhirn hat und über viele Nervenbahnen mit anderen Hirnregionen verbunden ist, insbesondere mit dem Emotionszentrum. Das Emotionszentrum bewertet, ob „die Umwelt Ziele in Aussicht stellt, für die es sich einzusetzen lohnt.“

Die Neurobiologie hat Dopamin als den Treibstoff des Motivationssystem ausgemacht. „Das vom Motivationssystem ausgeschüttete Dopamin erzeugt ein Gefühl des Wohlbefindens und versetzt den Organismus psychisch und physisch in einen Zustand von Konzentration und Handlungsbereitschaft. Interessanterweise beeinflusst Dopamin zugleich auch die muskuläre Bewegungsfähigkeit des Körpers. … Dopamin macht Bewegung möglich und hat zusätzlich die Funktion einer psychischen Antriebs- und Motivationsdroge.“

Es gibt also tatsächlich eine biologische Substanz, die für unsere Motivation verantwortlich ist. Die Frage, die sich förmlich aufdrängt, ist: Was sorgt dafür, dass der Botenstoff Dopamin ausgeschüttet wird? Dazu später. Zunächst soll es noch um die beiden anderen Botenstoffe gehen.

Joachim Bauer beschreibt weiter, dass, wenn es zur Ausschüttung von Dopamin kommt, weitere körpereigene Botenstoffe, sogenannte endogene Opioide, freigesetzt werden. „Endogene Opioide wirken auf die Emotionszentren des Gehirns, sie haben positive Effekte auf das Ich-Gefühl, auf die emotionale Gestimmtheit und die Lebensfreude.“

Kommen wir nun zum dritten Wohlfühlbotenstoff, dem Oxytozin. Dieser Stoff ist „spezialisiert auf Bindung und Vertrauen.“ „Oxytozin wird verstärkt hergestellt, wenn es zu einer Vertrauen stiftenden oder zu einer eine feste Bindung einleitenden Begegnung kommt. Oxytozin hat zusätzlich den Effekt, dass es Bindungen, die zu seiner Ausschüttung geführt haben, rückwirkend stabilisiert, indem es die Bereitschaft erhöht Vertrauen zu schenken.“

Die Neurobiologie hat erforscht, dass Dopanin und Oxytozin ein „kooperierendes, aufeinander abgestimmtes System bilden“. „Die Motivationsdroge Dopamin spielt für alles motivierende Tun eine zentrale Rolle.“ Wenn es jedoch darum geht, eine feste, dauerhafte Bindung einzugehen, ist „Oxytozin als zweiter, zusätzlicher Botenstoff von unerlässlicher Bedeutung.“

Viele Unternehmen machen sich Gedanken darüber, wie sie ihre Mitarbeiter an sich binden können. Eine spannende Frage ist daher: Was sorgt dafür, das unser biologisches Motivationssystem stimuliert wird? Welcher Voraussetzung bedarf es, damit die Glücksbotenstoffe Dopamin und Oxytozin ausgeschüttet werden?

Was stimuliert unsere Motivationssysteme?

Joachim Bauer schreibt dazu: „Motivation ist auf lohnende Ziele ausgerichtet und soll den Organismus in die Lage versetzen, durch geeignetes Verhalten möglichst günstige Bedingungen zum Erreichen dieser Ziele zu schaffen.“ „Die selbst für die Fachwelt verblüffende Erkenntnis war: Das natürliche Ziel der Motivationssysteme sind soziale Gemeinschaften und gelingende Beziehungen mit anderen Individuen. Für den Menschen bedeutet das: Kern aller Motivation ist es, zwischenmenschliche Anerkennung, Wertschätzung, Zuwendung und Zuneigung zu finden und zu geben. Wir sind – aus neurobiologischer Sicht – auf soziale Resonanz und Kooperation angelegte Wesen.“ „Die Motivationssysteme schalten ab, wenn keine Chance auf soziale Zuwendung besteht, und sie springen an, wenn das Gegenteil der Fall ist, wenn also Anerkennung im Spiel ist.“

Führungskräfte als Beziehungsgestalter

Nimmt man die Erkenntnisse der Neurobiologie ernst und wendet sie auf die Frage an, wie Führungskräfte ihre Mitarbeiter motivieren und ans Unternehmen binden können, so ist die eindeutige Antwort: Führungskräfte sollten sich dafür einsetzen, dass die Beziehungen sowohl zwischen ihnen und den Mitarbeitern als auch zwischen den Mitarbeitern untereinander gut funktionieren.

Nach Joachim Bauer gibt es fünf Faktoren, die gelungene Beziehungen fördern und aus denen sich Handlungsempfehlungen für Führungskräfte ableiten lassen:

1. Sehen und gesehen werden
Mitarbeiter wollen als Person wahrgenommen werden. Nichtbeachtung ist ein Motivations- und Beziehungskiller. Führungskräfte sollten also häufiger den persönlichen Kontakt zu ihren Mitarbeitern suchen. Sehen und gesehen werden ist jedoch ein wechselseitiger Prozess. Es bedeutet auch, dass die Führungskraft sich als Person zu erkennen gibt, sich als Person wahrnehmbar macht.

2. Gemeinsame Aufmerksamkeit für ein Thema
Hiermit ist gemeint Interesse zu zeigen für das, was andere beschäftigt. Ideen und Vorschläge der Mitarbeiter ernst zu nehmen. Wenn Führungskräfte ihren Mitarbeitern nicht zuhören können, verlieren sie deren Loyalität.

3. Emotionale Resonanz
Emotionale Resonanz bedeutet, sich auf die Stimmung des anderen einzulassen oder andere mit der eigenen Stimmung zu erreichen. Empathie, Mitfühlen und Verständnis für die Situation der Mitarbeiter ist insbesondere in Veränderungsprozessen ein Schlüsselfaktor für Akzeptanz. Das bedeutet nicht, dass eine Führungskraft notwendige Veränderungsziele über Board wirft und sich von den Wünschen der Mitarbeiter absorbieren lässt.

4. Gemeinsames Handeln
Gemeinsam für ein gestecktes Ziel zu arbeiten, sich diesem zu verschreiben, gemeinsam Wege zu suchen, wie das Ziel am besten erreicht werden kann, hat eine unglaublich verbindende Kraft. Häufig setzen Führungskräfte jedoch die Ziele, initiieren vielleicht noch ein Projektteam, das sich der Aufgabe widmet, verabschieden sich dann allerdings zur nächsten „Baustelle“ und lassen die Mitarbeiter mit der Aufgabe alleine.

5. Das wechselseitige Verstehen von Motiven und Absichten
Dieses Beziehungselement ist die „Königsklasse der Beziehungskunst.“ Wechselseitiges Vertrauen setzt die anderen vier Komponenten voraus. Es geht darum zu verstehen, was das Verhalten des anderen prägt. Was ist ihm wichtig? Welche Motive und Absichten verfolgt er? Mitarbeitermotivation kann nur gelingen, wenn ich meine Mitarbeiter ausreichend kenne. Das Wissen um Motive, Absichten, Vorlieben oder Abneigungen meiner Mitarbeiter ist die Voraussetzung dafür, deren Potenziale zu entfalten. Beobachten genügt hierbei nicht, es bedarf vor allem des Gesprächs.

Zusammenfassend bedeutet dies, dass es eine zentrale Kompetenz gibt, die den Unterschied macht: die Beziehungskompetenz. Dies bestätigt auch die aktuelle Hays Studie zum Thema Mitarbeiterbindung. Dort wird als wichtigstes Instrument zur Mitarbeiterbindung ein gutes Betriebsklima genannt.

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